Interview

Liebe Herrmann Männlich Leser,
im Interview können Sie sich eine eigene Meinung über die Ausflugsziele wie zum Beispiel Museen, Zoos, Brauereien und Freizeitparks selber bilden. Alle Interviewpartner stehen mit Bild und Vita zu ihrem Wort.

Herrmann Männlich im Gespräch mit Alexandra Konda vom Allgäuer Bergbauernmuseum in Immenstadt-Diepolz

Alexandra Konda

Alexandra Konda, Geboren 1965 Studium Betriebswirtschaft/Marketing

Marketingleitung bei Hannes-Hawaii-Tours und Klug Conservation
5 Jahre Auslandaufenthalt in New York, Tätigkeit als Office Managerin bei STS-Trussardi
Seit 2003 im Allgäuer Bergbauernmuseum in Immenstadt

Aufgabenbereiche
Museumspädagogik: Konzeption und Umsetzung
Marketing: Konzepte, Vernetzung, Werbung, Pressearbeit
Erstellung Jahresprogramm

 

HM: Sehr geehrte Frau Konda, was sind für Sie persönlich die 3 wertvollsten Ausstellungsstücke des Bergbauernmuseums?

Frau Konda: Da möchte ich gerne folgende 3 Highlights vorstellen.

1) Das Foto „Bergbauern“

Das Leben der Allgäuer Bergbauern war geprägt von harter Arbeit in einer Landschaft, die nicht nur Kraft sondern auch intelligentes und vorausschauendes Wirtschaften in Einklang mit der Natur forderte.

Die Menschen waren autark, kreativ, demütig und stolz zugleich und haben sich als Teil der alpenländischen Schöpfung verstanden.

Das Foto „Bergbauern“ hängt im Eingangsgebäude des Museums und drückt auf einfache Weise die besonderen Herausforderungen an das Arbeiten in den Bergen aus. Dieses Bild wirft für mich immer wieder die Frage auf: Wären wir heute noch dazu fähig, die Lebensbedingungen unserer Vorfahren zu meistern?

Berggebiet zwischen Kempten und Oberstdorf Foto: Archiv Allgäuer Bergbauernmuseum

 

2) Den Sattler-Hof

Alte Häuser faszinieren mich, da in ihnen Geschichten der Vergangenheit ihre Spuren hinterlassen haben. Diesen nachzugehen, sie freizulegen, sie nachzuempfinden und damit auch die Menschen in ihrem Handeln zu verstehen, bereichert die Gegenwart und schärft den Blick für die Zukunft.

Der über 300 Jahre alte Sattler-Hof in unserem Freilichtmuseum wurde um 1680 im Dorf Schöllang bei Oberstdorf erbaut und zuletzt von der Bauernfamilie Sattler mit 3 Kindern bewohnt. Er gibt den Museumsbesuchern Gelegenheit mit Hilfe von Gewändern in das Leben um 1920 zu schlüpfen. Ein Tagebuch führt auf dem Kinderpfad durch 13 Stationen an denen die Besonderheiten des Gebäudes und des damaligen Lebens erfahrbar werden.

Historischer Bergbauernhof aus Schöllang bei Oberstdorf Foto: Andreas Baar

 

3) Die Bergschafe

Die lebendigen Tiere sind für mich nicht wirklich Ausstellungsstücke, sondern eher Mitarbeiter. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen und genießen dabei die Aufmerksamkeit der Besucher. An den großen herabhängenden Ohren, des vor kurzen geborenen Lamms „Stupsi“ erkennt man, dass es zur robusten Rasse der Bergschafe gehört. Die Schafhaltung im Allgäu reicht zurück bis ins Mittelalter, noch um 1600 wird von zahlreichen Schafalpen im oberen Allgäu berichtet. Die genügsamen und unkomplizierten Tiere benötigten in den langen Wintern wenig Futter und sind deshalb wertvolle Nutztiere für die Bergbauern. Lamm

HM: Wie viele Besucher haben Sie im Durchschnitt pro Jahr?

Frau Konda: Je nach Saisonlänge zwischen 65.000 und 70.000 Besucher.

HM: Wie lange dauert ein Besuch bei Ihnen?

Frau Konda: Man sollte sich mindesten 2 Stunden Zeit nehmen, besser ist es jedoch, einen ganzen Tag einzuplanen, um das „Museum zum Anfassen“ voll und ganz erleben zu können.

HM: Was kann man bei Ihnen essen und trinken?

Frau Konda: Auf der historischen Sennalpe gibt es Brotzeit mit Aussicht: Bergkäse, Wurst und Schinken aus der Region und selbst gebackenen Kuchen. Allgäuer Kässpatzen vom Feinsten gibt es nur bei Vorbestellung.

HM: Was bieten Sie für Kinder?

Frau Konda: In der Dauerausstellung sind nicht nur die lebendigen Tiere wie Kühe, Schafe, Hühner, Schweine, Esel und Katzen eine Attraktion für Kinder, sondern der Heustock im Museumsbauernhof, der Wald- und Wasserspielplatz und das Kinderkino vermitteln Wissen durch aktives entdecken. Im Ferienprogramm werden verschiedene Veranstaltungen für Jungen und Mädchen im Alter von 5 – 12 Jahren angeboten. Zu den Themenschwerpunkten Essen, Holz, Wolle und Kräuter gibt es zum Beispiel Wandhaken aus Holz schnitzen, Kräuterbutter selbstgemacht, Kräutersäckchen bedrucken, Handytaschen filzen, Mitmach-Kochwochen. Das Kinderkino zeigt „Willi will’s wissen – Was geht ab auf der Alpe“ und Geburtstagskinder können mit ihren Freunden im Museum feiern.

Stoffdruck mit Kräutern Foto: Archiv Allgäuer Bergbauernmuseum

 

HM: Was könnte Hermann Männlichs Frau besonders interessieren?

Frau Konda: Große Anziehungskraft auf Frauen hat der üppige Kräutergarten im Freigelände, nicht nur wegen seiner Optik. Die Vielfalt der Allgäuer Kräuter und das noch bis heute bekannte Wissen um sie ist äußerst spannend. Wild- und Gartenkräuter wirken gesundheitsfördernd und können schmackhaft die Küche verfeinern. Der bunte Kräutergarten lädt zum Verweilen ein. Das Riechen der Minze, Schmecken des wilden Kümmels und Verreiben der gelben Johanniskrautblüten lassen die Muse für das Schöne und Wundersame aufkommen. Wer jedoch die Kräuter genau unter die Lupe nehmen möchte, kann an Kursen wie z. B. Löwenzahn von unten bis oben, Silbermantel – der Frauenmantel der Alpen, Sirup und Gelee aus Wildkräutern oder Wurzelgraben teilnehmen. Allgäuer Kräuterfrauen leiten die Workshops.

Natürlich ist der Kräutergarten auch für große und kleine Männer geöffnet -)

 

HM: Und welche Besonderheiten bieten Sie für Gruppen?

Frau Konda: 2 bis 3-stündige Workshops führen die Haushälterinnen des Sattler-Hofs mit den Besuchern durch. Sie kochen Krautschupfen-Nudeln, backen im Holzofen oder buttern mit Allgäuer Sahne. Bei Allgäuer Kräuterfrauen können Gruppen je nach Saison das Herstellen von Blütenzucker, Kräutersalz, Holunderküchle oder Kräuterbutter lernen. Außerdem stehen verschiedene Führungen zur Auswahl. Besonders empfehlenswert ist das Thema historische Milchwirtschaft im Allgäu, da nach dem Museumsbesuch die Bergkäserei Diepolz besichtigt wird und mit einer Käseprobe die Führung endet.

Sandra Südbeck Allgäuer Wildkräuterfrau Foto: Claudia Chauvin

 

HM: Machen Sie öfter Sonderausstellungen und Veranstaltungen und wenn ja, welche in den nächsten 12 Monaten?

Frau Konda: In diesem Jahr finden zwei Sonderausstellungen statt. Bis zum 30. Juni ist die Fotoausstellung „Heimhuber – Die FotoPioniere im Allgäu“ mit Bergbilder aus vier Generationen zu sehen.

Ab dem 15. Juli ist die Ausstellung „Von Kässpatzen und Dönerbuden - Begegnungen mit der Allgäuer Küche“ zu besichtigen. Von ganz persönlichem Zungenglück, Gaumenqualen und kulinarischen Neuheiten erzählen Allgäuer, Gastarbeiter und Heimatvertriebene. Sie begleitet unser Jahresthema Essen & Trinken.

Auch die Aktionstage sind darauf ausgerichtet, am 9. Juni laden Kochvorführungen ein, die traditionelle Allgäuer Küche kennen zu lernen, der 28. Juli stellt regionale Lebensmittel, heimische Kräuter und raffinierte Zubereitungsmöglichkeiten der heutigen Küche in den Mittelpunkt.

Am 20. Oktober erfahren die Besucher, wie Lebensmittel vor der Existenz des Kühlschranks auf schmackhafte Weise haltbar gemacht wurden. Um Jagd, Wald und Wild geht es am 27. Oktober anlässlich des Hubertustages mit Wildspezialitäten zum Probieren und Zubereitungstipps.

Salbei-Küchle in Butterschmalz Foto: Archiv Allgäuer Bergbauernmuseum

 

HM: Was könnte Hermann Männlich seinen Freunden als besonders für Männer geeignet empfehlen?

Frau Konda: Die historische Rosshütte zeigt die männliche Welt der Holzarbeiter. Die Hütte diente zur Unterkunft von Montags bis Freitags, da sich die Männer in siedlungsfernen und waldreichen Gebirgstälern aufhielten. Stets arbeitete eine Gruppe Männer, eine Partie von etwa 3 bis 8 Holzern, zusammen. Sie waren ein eingespieltes Team und fällten, entasteten, entrindeten und zersägten die Bäume. Mit Rössern rückten die Holzarbeiter die Bäume aus dem Wald. Im Winter wurde dann das vorbereitete Holz mit Hörnerschlitten zu Tal transportiert. Nicht selten passierten schwere Unfälle.

3 Tonnen Holz im Rücken Hörnerschlitten Rosshütte Foto: Archiv Allgäuer Bergbauernmuseum

 

Allgemeine Informationen

Rauchen
ist wegen der hohen Brandgefahr auf dem gesamten Museumsgelände nicht gestattet. Aschenbecher finden Sie vor dem Eingangsgebäude.

Hunde
dürfen Sie gerne mitbringen, wenn Sie sie an der Leine führen. Zur Beseitigung der "Hinterlassenschaften" erhalten Sie an der Museumskasse Entsorgungsbeutel. In den Ausstellungsgebäuden sind Hunde nicht erlaubt.

Parkplätze
stehen um das Museumsgelände kostenfrei zur Verfügung.

Museumsplan

Fotografieren und Filmen
Museumsbesucher und Urlauber dürfen nach Herzenslust knipsen und filmen. Profis holen bitte die Erlaubnis der Museumsleitung ein.

Fragen
werden vom Museums- und Kassenpersonal gerne beantwortet.

Die Museumsleitung dankt für Ihr Verständnis und wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.

 

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