Interview

Liebe Herrmann Männlich Leser,
im Interview können Sie sich eine eigene Meinung über die Ausflugsziele wie zum Beispiel Museen, Zoos, Brauereien und Freizeitparks selber bilden. Alle Interviewpartner stehen mit Bild und Vita zu ihrem Wort.

Herrmann Männlich im Gespräch mit Dr. Carsten Jöhnk dem Direktor des Ostfriesischen Landesmuseums Emden

Der Direktor des Ostfriesischen Landesmuseums Emden mit einem Schaukampf-Schwert in der Emder Rüstkammer, Foto: Diethelm Kranz

Dr. Carsten Jöhnk Direktor des Ostfriesischen Landesmuseums Emden, Museumswissenschaftler,
Mitglied im Deutschen Museumsbund (DMB) und im Museumsverband Niedersachsen und Bremen e.V.,
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Museen und Sammlungen in Ostfriesland,
Alter: 48, passionierter Fechter

 

 

HMM: Sehr geehrter Dr. Jöhnk, was sind für Sie persönlich die drei wertvollsten Ausstellungsstücke?

Dr. Jöhnk: Hier nur drei der für mich wertvollsten Exponate zu nennen, heißt gleichzeitig eine Rangliste innerhalb einer Vielzahl hervorragender Ausstellungsstücke zu erstellen.

Dennoch sind mir die folgenden Exponate besonders wichtig:

Die Rüstung von Gerhard Bolardus

Aus der Emder Rüstkammer ist hier auf jeden Fall diejenige Reiterrüstung zu nennen, die Gerhard Bolardus zugeschrieben wird. Bolardus ist einst Bürgermeister der Stadt und Anführer der sogenannten Emder Revolution 1595 gewesen. Die Revolution hat zur Loslösung Emdens vom ostfriesischen Grafenhaus geführt und damit Emden zur quasi autonomen Stadtrepublik gemacht. Die Emder Rüstkammer ist seit 1582 im Rathaus am Delft, direkt am Ratsdelft im Herzen Emdens untergebracht.

Die Moorleiche von Bernuthsfeld (Bernie) im Computertomographen, Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Diethelm Kranz

Unsere Moorleiche

Aus dem frühen Mittelalter stammt die Moorleiche „Mann von Bernuthsfeld“, auch Bernie genannt. Diese ist insofern besonders wertvoll, weil auch ihre Kleidung und andere Accessoires aus dem 8. Jahrhundert erhalten geblieben sind. Außerdem ist Bernie unter Nutzung neuester Technik jüngst untersucht worden. Mit den derzeit laufenden Auswertungen und dem Gewinn an Forschungsergebnissen wird die Moorleiche zurzeit immer wertvoller.

 

 


Kleine und große Besucher betrachten in der Gemäldegalerie des Ostfriesischen Landesmuseums Emden das Werk „Spaziergang nach Zandvoort“ von Isaack Luttichhuys, Foto Karlheinz Krämer

Ein Gemälde von Isaack Luttichuys

Der holländische Künstler Isaack Luttichuys malte 1642 den „Spaziergang nach Zandvoort“. In einer Dünenlandschaft ist eine Familie auf dem Weg nach Zandvoort - einem damals bekannten Fischerdorf und bei Amsterdamer Familien beliebten Ausflugsziel. Vater, Mutter, Sohn und Tochter sind in Sonntagskleidung dargestellt: Der Vater etwas konservativer als seine Frau und seine Tochter, die modisch moderner daherkommen. Dieses Bild steht für mich stellvertretend für unsere Gemäldegalerie, deren Schwerpunkt auf der Malerei der Niederländischen Schule vor allem aus dem 16. und 17. Jahrhundert liegt.

HMM: Welches ist das teuerste / seltenste Stück und was kostet so etwas?

Dr. Jöhnk: Selten bis einzigartig sind fast alle Stücke unserer Dauerausstellung zur Kunst- und Kulturgeschichte Ostfrieslands. Unbezahlbar sind allerdings wohl die sogenannten Petrusschlüssel aus Gräbern während des beginnenden Christentums in Ostfriesland. Denn was ist höher einzuschätzen als die Möglichkeit, die Himmelspforte mit einem eigenen Schlüssel auftun zu können?

HMM: Wann sind die Dauer- und Sonderausstellungen zugänglich?

Dr. Jöhnk: Das Ostfriesische Landesmuseum Emden hat ganzjährig jeweils dienstags bis sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Zusätzlich sind die Ausstellungen auch Ostermontag und Pfingstmontag zu besuchen.

HMM: Wird bei Ihnen auch für das leibliche Wohl gesorgt?

Dr. Jöhnk: Das Café Karree im Rathaus am Delft lädt zum Verweilen ein und bietet neben hausgemachtem Kuchen in der Mittagszeit auch Speisen für den großen und den kleinen Hunger.

HMM: Was bieten Sie für Kinder?

Dr. Jöhnk: Zurzeit entwickeln wir im gesamten Haus Angebote für Kinder und jung gebliebene Erwachsene. Hier können Besucher Dinge ausprobieren oder beispielsweise mithilfe von Medienstationen genauer anschauen. Außerdem gibt es unsere Veranstaltungsreihe „KIDS IN!“. Jeden Donnerstag können Kinder von 16:00 bis 17:30 Uhr gemeinsam im Museum auf Entdeckungsreise gehen und sich anschließend selbst kreativ betätigen. Wer will kann auch im Museum Geburtstag feiern.

Ab und zu bieten wir Kindern sogar an, eine Nacht im Museum zu verbringen. Ein bisschen schaurig, aber vor allem ein großer Spaß für alle kleinen Gäste. Mädchen nehmen solche Angebote im Übrigen mindestens genauso gern wahr wie Jungen.

 

Ein Eindruck aus dem Münzkabinett des Ostfriesischen Landesmuseums Emden, Foto Roland Halbe

HMM: Machen Sie zusätzlich auch Sonderausstellungen?

Dr. Jöhnk: In Kooperation mit der Ostfriesischen Landschaft zeigen wir mit der Sonderausstellung „Land der Entdeckungen – Die Archäologie des friesischen Küstenraums“ zahlreiche besondere Grabungsfunde. Neben spektakulären Funden wie den Goldschalen aus Terheide umfasst die Exposition vor allem die Höhepunkte der deutsch-niederländischen Grabungstätigkeit aus den vergangenen 50 Jahren.

Wie spannend dieses Thema sein kann, zeigt die Auswahl der Exponate. Sicherlich ist die Goldscheibe von Moordorf das Highlight dieser Ausstellung. Aber auch für den Besucher auf den ersten Blick eher unauffälligere Objekte erzählen interessante Geschichten und sind gleichermaßen Teil des kulturellen Erbes dieser Region. Zwei frühmittelalterliche Schellen, die als Grabbeigaben gefunden wurden, gelten als Kleidungsaccessoires und könnten auf einen gewissen Reichtum der Besitzerin verweisen. Darüber hinaus sind entsprechende Applikationen in jener Zeit sonst speziell aus dem slavischen Raum bekannt. Gibt es hier also Verbindungen, oder stammt die Trägerin der Kleidung aus Osteuropa stellt sich also hier die Frage. Vergleichbare Schellen sind in Ostfriesland dann viel später, nämlich in der frühen Neuzeit, Teil der Kleidung von Häuptlingsfrauen.

Im Sommer geht es im Landesmuseum um das Thema Polarforschung. Ein Stück spannender Forschungsgeschichte ist Inhalt der Präsentation „Gefangen im ewigen Eis – Die Endurance-Expedition des Ernest Shackleton in die Antarktis“. Die erfolgreiche Rettung aller - wie damals bei solchen Unternehmungen ja üblich ausschließlich männlichen - Teilnehmer der Antarktis-Expedition des irischen Polarforschers Sir Ernest Shackleton und seines Schiffs Endurance im Jahr 1915 hat diese Forschungsreise berühmt gemacht. In der Ausstellung sind die Fotografien des Expeditionsfotographen James Francis Hurley zu sehen. Erweitert wird die Präsentation durch eine Dokumentation von Arved Fuchs, der im Jahr 2000 die Rettungsfahrt nachgesegelt ist.

HMM: Finde ich im Internet oder in Facebook aktuelle Informationen zu Veranstaltungen und Sonderausstellungen?

Dr. Jöhnk: Auf der Seite www.landesmuseum-emden.de haben wir zahlreiche Informationen zum Ostfriesischen Landesmuseum Emden ins Netz gestellt. Ganz aktuell ist natürlich auch unser Facebook-Angebot.

HMM: Was könnte ich als Herrmann Männlich meinen Freunden als besonders für Männer geeignet empfehlen?

Dr. Jöhnk: Echte Männer und Jungen, die welche werden wollen, kommen garantiert in der Emder Rüstkammer auf ihre Kosten. Sie ist mit den 400 Jahre alten Waffen und Rüstungen gefüllt, die die Emder Bürgerwehr nutzte, um die Stadt zu verteidigen.

Das weibliche Geschlecht spielte hier – anders als bei Museumsbesuchen heute – ursprünglich tatsächlich keine Rolle. Dienst in der Emder Bürgerwehr taten einst ausschließlich Männer von 16 bis 60 Jahre mit Ausnahme der Geistlichen, Küster und Lehrer.

Außergewöhnlich ist auch die Möglichkeit für Besucher, mit einem großen Hammer aus einem Metall-Rohling eine Medaille prägen zu können. Alle über 12 Jahre alten Interessierten können es dem Münzmeister und seinen Gesellen, die vor 400 Jahren Münzen geschlagen haben, selbst nachtun. Heute schwingen – ob Sie es glauben oder nicht Herr Männlich – durchaus auch Mädchen und Frauen den Hammer und das mit Wonne und großer Wucht.

Die Goldscheibe von Moordorf und eine Goldschale von Terheide in der Ausstellung „Land der Entdeckungen“, Leihgaben des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover, Foto: Diethelm Kranz

HMM: Welche regionalen Ausflugstipps würden Sie Ihren Besuchern gerne nach einem Besuch bei Ihnen zusätzlich empfehlen?

Dr. Jöhnk: Vom Rathaus am Delft in einem kurzen Spaziergang erreichbar sind die Pelzerhäuser ^11+12. Es handelt sich dabei um zwei Kontorhäuser, die vor etwa 430 Jahren im Stil der flämisch-niederländischen Renaissance erbaut wurden. Dort präsentiert das Ostfriesische Landesmuseum unter anderem abwechslungsreiche Sonderausstellungen zu moderner Kunst aus dem Nordwesten. Im kulturcafé im Pelzerhaus^11 können Gäste zudem im Kaminzimmer ganz stilecht die ostfriesische Teezeremonie genießen.

HMM: Wie lange sind Sie schon Leiter Ihres Museums?

Dr. Jöhnk: Mittlerweile bin ich seit drei Jahren der Direktor des Ostfriesischen Landesmuseums Emden.

HMM: Besuchen Sie privat auch männertaugliche Locations wie Herrmann Männlich sie beschreibt?

Dr. Jöhnk: Sowohl allein, als auch mit meiner Familie nehme ich gern entsprechende Angebote war. Schließlich bin ich auch Vater zweier Söhne.

HMM: Wie würden Sie Ihr Museum in aller Kürze beschreiben?

Dr. Jöhnk: Das Ostfriesische Landesmuseum Emden ist das Museum zur Kunst- und Kulturgeschichte der Region. Wir zeigen die Geschichte Ostfrieslands anhand zahlreicher Originalzeugnisse von der frühesten Besiedlung bis heute. Dabei spannt sich der Bogen der Ausstellungsstücke von der Steinzeitaxt über das Ratssilber der Stadt Emden aus dem 16. /17. Jahrhundert bis hin zu Foto- und Filmdokumenten aus jüngster Zeit. Als Europäisches Regionalmuseum betrachten wir auch gerade die Beziehungen Ostfrieslands zu anderen europäischen Regionen, speziell zu den Niederlanden.

Blick in die Ausstellung „Land der Entdeckungen“ im Ostfriesischen Landesmuseum Emden, Foto: Diethelm Kranz

Herrmann Männlichs Fazit

Im Ostfriesischen Landesmuseum Emden gibt es für den Besucher verschiedene Service-Einrichtungen wie zum Beispiel den KUNST-Laden, in dem auch online bestellt werden kann. Wer seinen Aufenthalt im Ostfriesischen Landesmuseum Emden versüßen will, kann sich vorab über das Angebot des Cafe Karree (Team Goldener Adler) informieren. Das Ostfriesische Landesmuseum Emden lädt nicht nur zu Ausstellungsbesuchen und vielfältigen Erlebnisprogrammen ein, sondern stellt weitere Angebote für Forschung und Unterhaltung zur Verfügung. Tipp: Zeit mitbringen...es lohnt sich!

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