Interview

Liebe Herrmann Männlich Leser,
im Interview können Sie sich eine eigene Meinung über die Ausflugsziele wie zum Beispiel Museen, Zoos, Brauereien und Freizeitparks selber bilden. Alle Interviewpartner stehen mit Bild und Vita zu ihrem Wort.

Herrmann Männlich im Gespräch mit dem Kulturmanager und Kulturwissenschaftler Martin Otto-Hörbrand M.A., Leiter Abteilung Öffentlichkeitsarbeit / Linden-Museum Stuttgart

Martin Otto-Hörbrand M.A.

Vita: Geboren 1971 in Füssen, 1991-1994 Studium Öffentliches Bibliothekswesen und Psychologie an der FH für Bibliothekswesen Stuttgart, 1994-1998 Leiter der Bücherei Neuhausen/Fildern, 1998-2000 Studium Kulturwissenschaften/Kulturmanagement an der PH Ludwigsburg, seit 2000 bis heute Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Linden-Museum Stuttgart, 2004 kulturpolitischer Mitarbeiter bei der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Baden-Württemberg, Lehraufträge an der Hochschule der Medien Stuttgart, diverse Veröffentlichungen (u.a. Deutsches Jahrbuch für Kulturmanagement) Aufgabenbereiche im Linden-Museum Stuttgart: Öffentlichkeitsarbeit, Presse- und Medienarbeit, Marketing, Veranstaltungsmanagement, Internet und Social Media Mitglied der AG Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museumsbunds und des KulturNetz e.V.

HM: Lieber Herr Otto-Hörbrand, das Linden-Museum ist eines der großen europäischen Völkerkundemuseen und beherbergt rund 160.000 Schätze aus Afrika, dem Orient, Asien, Amerika und Ozeanien. Was sind Ihre persönlichen Lieblingsstücke?

Martin Otto-Hörbrand: Da ich meine Kinder selbst immer sehr gerne auf Berge getragen habe, mag ich die Kindertrage der Crow-Indianer besonders. Anders als unser Outdoor-Equipment ist sie nicht nur funktional, sondern auch wunderschön mit Glasperlen und Lederfransen verziert – inklusive eines Nabelschnurbehälters im gleichen Design. Lieblingsexponate von mir sind außerdem die aus Robbenleder gefertigten Teekannen und -tassen der Inuit, die für mich ein Musterbeispiel für praktischen Erfindungsreichtum sind, und die prächtige pakistanische Qibla-Wand aus dem 15. Jahrhundert, die mir täglich auf dem Weg ins Büro begegnet.

 

Foto: Kindertrage, Crow, Foto: Anatol Dreyer, Linden-Museum Stuttgart

HM: Welche Exponate sind einzigartig?

Martin Otto-Hörbrand: Einzigartig sind natürlich viele Objekte. Ein besonderes Stück ist die Bisonrobe des Mandan-Häuptlings Mató Tópe, die er selbst in den 1830er Jahren sehr anschaulich mit seinen Heldentaten bemalt hat und dem deutschen Forschungsreisenden Prinz Maximilian zu Wied geschenkt hat. Besonders ist auch eine originalgetreu rekonstruierte Zeile des Bazars von Taschkurgan in Afghanistan aus dem Jahr 1978: Ein Stück Weltkulturerbe, das man so vor Ort leider nicht mehr findet.

 

HM: Wer war denn Ihr prominentester Besucher?

Martin Otto-Hörbrand: Wir haben hier Staatspräsidenten und Häuptlinge zu Gast – im Vordergrund für uns steht aber immer die unmittelbare Begegnung unserer Besucher mit Menschen aus anderen Kulturen. Und wenn, wie im vergangenen Jahr, der Maori-Künstler George Nuku sich an einem Tag mit der schwäbischen Tattoo-Szene über die Bedeutung von Motiven austauscht und am nächsten Tag einen begeisternden Schnitz-Workshop für Kinder macht, dann kommt das dem, was in meinen Augen Museum heute sein soll, sehr nahe.

Bisonrobe des Häuptlings Mató Tópe, Mandan, 1833, Foto: Anatol Dreyer, Linden-Museum Stuttgart

 

HM: Was könnte ich meinen Fußballkumpels als besonders für Männer geeignet empfehlen?

Martin Otto-Hörbrand: In unserer aktuellen Ausstellung „Maya-Code“, die bis 2.6. zu sehen ist, kann man vor der Kulisse des Ballspielplatzes von Chichén Itzá an einer Wii-Station das Maya-Ballspiel ausprobieren. Hier muss man versuchen, einen Ball durch einen auf 7 Meter Höhe angebrachten Ring zu kicken. Aber aufgepasst, Jungs: Hände und Füße sind verboten – der Ball darf nur mit der Hüfte geschossen werden, das ist also nichts für Hüftsteife. Und wer verliert, den bestrafen die Unterweltgötter… „Maya-Code“ bietet dank der Themen Schrift und Kalender auch für Tüftler und Freunde der gehobenen Mathematik durchaus komplexe Inhalte, die anschaulich, sinnlich und interaktiv aufbereitet sind. Klassische Männerthemen haben wir natürlich auch in unserer ständigen Sammlung: Von Jagd über Handel, Handwerk und Architektur in allen Regionen der Welt bis hin zu geheimen afrikanischen Männerbünden können wir viel bieten. Und wer die heute beschleunigt globalisierte Welt begreifen will, der bekommt bei uns – auch per Audioguide – die Hintergrundinformationen, die man braucht.

Foto: Maori-Künstler George Nuku bei einer Eröffnungszeremonie, 2012, Foto: Anatol Dreyer, Linden-Museum Stuttgart

 

HM: Finde ich im Internet (Homepage, Twitter oder Facebook) aktuelle Informationen zu Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Workshops?

Martin Otto-Hörbrand: Klar, auf www.lindenmuseum.de und natürlich auch auf twitter und Facebook. Gerade im Bereich Social Media gehören wir zu den aktivsten Museen in Deutschland.

Teekanne und –tassen, aus Robbenleder, Labrador-Inuit, Foto: Anatol Dreyer, Linden-Museum Stuttgart

 

HM: Wann haben Sie denn geöffnet?

Martin Otto-Hörbrand: Das Museum ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sonderausstellungen sind zusätzlich mittwochs bis 20 Uhr offen. Unser Restaurant „Hegel Eins“ hat auch abends geöffnet und bietet Wildgerichte und mediterrane Küche.

Maya-Ball gegen die Unterweltgötter – spielerische Begegnung mit einer Kultur. Foto: Heinz Heiss

 

HM: Was kommt als nächstes?

Martin Otto-Hörbrand: Unser nächstes Highlight steht vor der Tür: Die Große Landesausstellung „INKA – Könige der Anden“ (12.10.2013 bis 16.3.2014) ist eine Europa-Premiere mit spektakulären Leihgaben aus Peru und renommierten europäischen Museen. Architektur, Sonnenkult, Krieg, Landwirtschaft – in dieser Schau erfährt man alles über die Erbauer von Cusco und Machu Picchu. Unser Medienpartner ist National Geographic und wir sind als eines von zwölf Museen Premiumpartner der Deutschen Bahn: Mit dem Sparpreis Kultur, der ab 12.7. gebucht werden kann, kommt man ab 39 Euro aus dem gesamten Bundesgebiet in die Ausstellung. Für Gruppen gibt es hier Packages inklusive peruanischem Menü mit dem Maritim Hotel oder Führungen, die mit Pisco Sour abgerundet werden.

HM: Na dann: Hoch die Gläser – auf eine spannende Ausstellung!

Herrmann Männlichs Fazit

Fesselnd! Besuchenswert! Einzigartig! Lehrreich! Das könnte in etwa die Beschreibung sein, wenn ich nur wenige Worte zur Verfügung hätte. Insgesamt sollte man sich Zeit mitbringen und sich auch wirklich auf die liebevoll und fachmännisch eingerichtete Dauerausstellung einlassen. Sie finden in Stuttgart tatsächlich fast die ganze Welt auf nur einem Fleck.

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