Interview

Liebe Herrmann Männlich Leser,
im Interview können Sie sich eine eigene Meinung über die Ausflugsziele wie zum Beispiel Museen, Zoos, Brauereien und Freizeitparks selber bilden. Alle Interviewpartner stehen mit Bild und Vita zu ihrem Wort.

Herrmann Männlich im Gespräch mit Dr. Martin Salesch, dem Direktor des Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseums in Wietze

Dr. Martin Salesch

Kurz-Vita:
Geboren am 28. März 1965 in Hamburg, Studium der Archäologie und Germanistik (Schwerpunkt: Mittelalter) an der Universität Hamburg, Stadtarchäologe in Elsterwerda (Brandenburg), wissenschaftlicher Referent am LWL-Landesmuseum für Archäologie, Weiterbildungsstudium Museumsmanagement an der Fern-Universität Hagen, stellv. Projektleiter der 2. Thüringer Landesausstellung 2004 in Sondershausen, seit 2005 Direktor des Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseums Wietze, Geschäftsführer des Museumsverbundes im Landkreis Celle, Vorsitzender der Vereinigung Europäischer Erdölmuseen

 

HM: Lieber Herr Dr. Salesch, das Deutsche Erdöl- und Erdgasmuseum befindet sich auf einem alten Erdölfeld. Wurde in Deutschland tatsächlich Erdöl und Erdgas in nennenswerter Menge gefördert?

M.S.: In Deutschland beginnt die Erdölförderung sogar schon sehr früh. Wir haben Berichte aus dem Jahr 1430, dass die Mönche des Klosters Tegernsee Erdöl gewonnen und als Medizin verkauft haben. In Wietze begann die Erdölförderung im Jahr 1652. Die Bauern bauten den an der Erdoberfläche anstehenden ölhaltigen Sand ab, wuschen das Öl heraus und nutzten es als Schmiermittel. Sie gewannen natürlich nur kleine Menge des schwarzen Goldes. Erst die industrielle Förderung ab 1898 brachte größere Mengen. Insgesamt wurde in Deutschland bis heute 318 Erdölfelder und 262 Erdgasfelder entdeckt. Das ist zwar eine große Anzahl, doch die Felder sind meisten recht klein. Die durchschnittliche Förderung liegt bei 900.000 t Erdöl bzw. 3 Milliarden m3 Erdgas. Das Erdölfeld Wietze gehört mit 3 Millionen geförderten Tonnen Erdöl sogar zu den größeren Feldern in Deutschland. Aktuell ist es so, dass wir in Deutschland etwa 3% unsers Bedarfs an Erdöl und sogar 13% unseres Bedarfs an Erdgas selber fördern.

HM: Es hat doch sicherlich auch schon mal ein Ölscheich bei Ihnen vorbei geschaut?

M.S.: Wir haben viele Fachbesucher aus der Erdöl-/Erdgasbranche bei uns im Museum. Darunter auch ein paar Ölscheichs aus dem Orient. Da in Wietze die Wiege der industriellen Erdölgewinnung Deutschlands steht gibt es noch heute in der näheren Umgebung einige traditionsreiche Unternehmen, die Maschinen und Geräte für die Erdöl-/Erdgasindustrie herstellen. Die gehen mit ihren Kunden gerne ins Deutsche Erdöl- und Erdgasmuseum Wietze, um ihnen die lange Geschichte der deutschen Erdölindustrie zu zeigen.

Transportpumpe, Internationale Bohrgesellschaft 1910

 

HM: Wie viele Besucher haben Sie im Durchschnitt pro Jahr?

M.S.: Zu uns kommen fast 20.000 Besucher pro Jahr. Besonders freuen wir uns darüber, dass viele Familien und junge Leute zu uns kommen. Gerade die jungen Besucher und Besucherinnen möchten wir in unserem Museum für naturwissenschaftliche und technische Berufe interessieren.

HM: Wie lange dauert ein Besuch bei Ihnen?

R.V.: Eine Besucherbefragung im letzten Jahr hat ergeben, dass die Besucher im Schnitt 2 Stunden im Museum bleiben. Die meiste Zeit verbringen sie auf unserem 2 ha großen Freigelände, auf dem wir alte Bohr- und Fördergeräte zeigen, die zum Teil noch an ihrer originalen Stelle stehen und von den Besuchern in Betrieb gesetzt werden können. Erdöl fördern wir zwar nicht mehr, aber die Geräte funktionieren alle noch.

HM: Haben Sie eigentlich das ganze Jahr über geöffnet und gibt es saisonale Besonderheiten?

M.S.: In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar bleibt das Museum geschlossen, da wir die meisten Geräte auf dem Freigelände ausschalten und abdecken müssen. Es kommen viele Besucher an den langen Feiertagswochenende im Frühjahr, da Wietze ein tolles Ziel für Tagesausflüge aus den norddeutschen Großstädten ist. Da wir nah an der Abfahrt Schwarmstedt der A7 liegen sind wir aus Hamburg, Bremen, Hannover, Magdeburg oder Bielefeld schnell zu erreichen. Zudem kann man in der Südheide schöne Spaziergänge und Fahrradtouren machen und die regionale Küche ist auch sehr beliebt. Der größte Teil unserer Besucher kommt aber im August und September, wenn die Heide blüht.

Vibrator-Fahrzeug, prakla Seismos 1983

 

HM: Was bieten Sie für Kinder?

M.S.: Wir sind gerade dabei einen museumspädagogischen Raum einzurichten, der ganz flexibel genutzt werden kann; nicht nur für Schüler sondern für Gruppen aller Altersklassen. Hier können wir Filme zeigen oder Experimente vorführen. Es ist geplant, dass die Kinder selber experimentieren, malen oder basteln können. Thematisch beschränken wir uns dabei nicht nur auf Erdöl und Erdgas. Wir wollen die Geologie der Region zeigen, denn das Aller-Leine-Tal ist eine uralte Bruchlinie. Leider ist davon an der Erdoberfläche nichts zu sehen, da vier Eiszeiten das Landschaftsbild total verändert haben. Aber im tiefen Untergrund gibt es viel zu entdecken. Besonders gern mögen die Kinder unsere beweglichen Exponate auf dem Freigelände. Beispielsweise können sie unsere Tiefpumpenantriebe selber in Bewegung setzen.

HM: Was könnte Herrmann Männlichs Frau besonders interessieren?

M.S.: Vor etwa 10 Jahren kamen fast nur männliche Besuchern ins Deutsche Erdöl- und Erdgasmuseum. Das hat sich grundlegend geändert. Heute ist das Verhältnis ausgeglichen. Das liegt sicherlich daran, dass wir nicht nur Technik zeigen. Das Thema Erdöl/Erdgas ist ja ganz aktuell. In Deutschland werden wir sicherlich noch 50 bis 100 Jahre Erdöl und Erdgas fördern (möglicherweise sogar noch länger). Trotzdem müssen wir uns schon heute Gedanken darüber machen, was nach dem Erdöl-/Erdgaszeitalter kommt. Das ist für unser Museum ein großer Vorteil. Wir blicken nicht nur in die Vergangenheit und auf die Technik; wir blicken nach vorn und auf die ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge der Erdöl-/Erdgasförderung.

Feldbahn Lokomotive Dicke Berta, Schöma 1955

 

HM: Welche Besonderheiten bieten Sie für Gruppen?

M.S.: Es gibt eigentlich zwei unterschiedliche Gruppeninteresse: Für die Gruppen, die etwas zum Thema Erdöl/Erdgas erfahren wollen bieten wir verschiedene Führungen (auch Fachführungen) an. Es können auch geführte Wanderungen zu den interessanten Relikten der Wietzer Erdölförderung gebucht werden, beispielsweise zum 58 m hohen Ölberg, einer Abraumhalde des außergewöhnlichen Wietzer Erdölbergwerks. Dann gibt es immer mehr Gruppen, die für Veranstaltungen oder Tagungen unsere Räume mieten. Solchen Gruppen können wir auch in unserem Bistro Speisen und Getränke anbieten. Alles lässt sich individuell einrichten. Außerdem bieten wir für Gruppen spezielle Eintrittspreise an.

HM: Wie kann ich weitere Zusatzinformationen bekommen?

M.S.: Unsere Mitarbeiter stehen für Fragen gern zur Verfügung. Einen ersten Überblick über unsere Angeboten bietet unsere Internetseite www.erdoelmuseum.de.

Ausstellungshalle

 

HM: Machen Sie öfter Sonderausstellungen und Veranstaltungen und wenn ja, welche in den nächsten 12 Monaten?

M.S.: Wir haben regelmäßig Sonderausstellungen; meistens zwei pro Saison. Neben diversen Veranstaltungen führen wir jedes Jahr am dritten Sonntag im August eine Bergbaubörse durch. Auch am Tag des Geotops im September  sind wir immer aktiv. Das Veranstaltungsprogramm ist auch auf unserer Internetseite zu finden.

HM: Welche regionalen Ausflugstipps würden Sie Ihren Besuchern gerne nach einem Besuch bei Ihnen zusätzlich empfehlen?

M.S.: Viele Besucher verknüpfen einen Museumsbesuch bei uns mit einem Ausflug nach Celle, einer der schönsten Fachwerkstädte im Norden Deutschlands. Ganz in der Nähe befindet sich auch die Gedenkstätte Bergen-Belsen oder das wunderschöne Heidekloster Wienhausen. Der Naturpark Südheide ist von Wietze aus schnell zu erreichen und bietet gerade zur Heideblüte im August/September einen tollen Anvblick.

HM: Kann ich bei Ihnen Parkplätze finden und wie erreiche ich Sie?

M.S.: Von der Autobahn 7 sind wird knapp 8 km entfernt. Kostenfreie Parkplätze gibt es direkt vor dem Museum. Unser Museum wird aber auch gern von Fahrradfahrern angesteuert. Der Aller-Leine-Radweg führt direkt am Museum vorbei.

Tiefpumpenantrieb, Wirth 1936

HM: Herr Dr. Salesch, wenn Sie ein paar Besonderheiten aufführen könnten, die Ihr Museum auszeichnet, welche wären das?

M.S.: An erster Stelle sind die Fördereinrichtungen aus dem Zeitraum 1905 bis 1910 zu nennen, die sich in betriebsfähigem Zustand an originaler Stelle auf unserem Museumsgelände befinden. Das ist einmalig. Wir haben im Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseum Wietze überhaupt eine beeindruckende und sehr umfangreiche Sammlung. Dazu gehört der erste Feldseismograf, den der Pionier Ludger Mintrop 1917 zum Patent angemeldet hat oder auch der Lüneburger Petroleumtankwagen von 1908. Damals wurde das Leuchtöl noch mit dem Pferdewagen zum Verbraucher gebracht. Da wir unseren Besuchern auch die aktuellen Entwicklungen in der Erdöl-/Erdgasbranche zeigen wollen sammeln wir auch ganz moderne Geräte: In diesem Jahr haben wir von der Firma Baker Hughes einen Turbo Lift bekommen. Das ist ein 25 m langes Gerät, mit dem die Druckverhältnisse in einem Bohrloch ausgeglichen werden können. Die Firma Rosen hat uns einen tollen Molch zur Verfügung gestellt, der weltweit zur Kontrolle und Reinigung von Pipelines eingesetzt wurde und jetzt im Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseum Wietze „in Rente“ gegangen ist. Sie sehen, wir schauen nicht nur auf 150 Jahre industrielle Erdölförderung in Deutschland zurück. Wir blicken auch in die Zukunft. Denn die Geschichte der deutschen Erdöl- und Erdgasgewinnung ist noch lange nicht vorbei.

HM: Vielen Danke, Herr Dr. Salesch, für das Interview. Sie haben Lust auf einen Besuch gemacht.

Herrmann Männlichs Fazit

Das Thema Erdöl/Erdgas ist unglaublich spannend. Ich hab gar nicht gewusst, dass schon so früh und mit so viel Erfolg in Deutschland Erdöl und Erdgas gefördert wurde. Im Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseum Wietze wird sehr anschaulich erklärt, was Erdöl und Erdgas überhaupt sind, wie Lagerstätten entstehen, wie sie gefunden werden und wie gebohrt und gefördert wird. Überrascht war ich, was alles aus Erdöl und Erdgas hergestellt werden kann. Neben Benzin und Heizöl gibt es eine riesige Palette von Produkten unseres täglichen Lebens, die aus Kohlenwasserstoffen bestehen.

 

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